blasphemie-charisma

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Wer sich selbst in Christus annimmt, der lässt allen Dingen ihre Ordnung.

Heinrich Seuse

Auf mannigfache Weise und vielerlei Art ist man seit der Antike der Frage nachgegangen, wie viel Verwerflichkeit der HS innewohnt.  Die Frage, ob sie Sünde ist muss nicht noch einmal aufgenommen werden. Die Handlung an sich ist nach den Aussagen der Schrift und des Lehramtes der Kirche Sünde, - fertig!

Auch die Frage, ob der hs Mensch, wegen seiner Veranlagung abzulehnen sei, ist bereits durch die Kirche beantwortet worden. Alles, was man heute in der Literatur findet fließt, wenn man einmal den versöhnlichen Gedanken nicht aus den Augen verlieren will, in der Grundaussage der Kirche „hasse die Sünde und liebe den Sünder“ zusammen.

Über einen Aspekt der HS denkt man aber nicht, oder nur ungern nach, nämlich: Was bringt diese Veranlagung an Beschwernissen für den Betroffenen mit sich?

 

Oft wird von Klerikern festgestellt, dass die HS selbst gewählt, also eine freiwillige Entscheidung sei.

Ich kenne keinen, der gesagt hat: Ich werde schwul!

Das würde in der umgekehrten Lesart heißen, dass der heterosexuell veranlagte Mensch sich ebenfalls für seine sexuelle Ausrichtung entschieden habe, aber darüber wird niemand wirklich Fragen aufkommen lassen. Das ist „normal“ – so ist man!

Die eigene Andersartigkeit wird meist schon früh entdeckt – zu einem Zeitpunkt da man von einem freien Willensakt, wenn es ihn denn tatsächlich in diesem Zusammenhang gäbe, gar nicht sprechen kann.

Im Spannungsfeld der eigenen Identität und dem christlichen Umfeld hat man früh gelernt gut und böse von einander zu unterscheiden. In der geistlichen Unmündigkeit des Kindseins nimmt man an und glaubt, was die Eltern, der Glaube und die Kirche lehren. Aber die Vorahnung, dass hier etwas nicht konform geht setzt genauso früh ein. Vielleicht auch etwas später oder auch gar nicht, je nach religiöser Sensibilität. (Nennen wir es ruhig Sünden- Bewusstsein.) Und gar nicht selten ist zu beobachten, ist die hs Veranlagung mit im Spiel, dann wird ein Teil des Kindseins bereits unter dem Anspiel der HS als Teil der eigenen Persönlichkeit dem Glauben geopfert. (Da klingt ein altes Wort der Kirche etwas makaber: O Seeligkeit ein Kind zu sein – o heilige Kindheit!) Da ist das Kind bereits unheilig und ein Sünder – später wird es tatsächlich zu einem gemacht werden. Wäre es irgendeine andere Regung die sich unter dem Einfluss des Glaubens ausformt, ins Bewusstsein dringt, man würde ganz anders von diesem Kindsein sprechen. Und das Kind, der junge Mensch lernt durch den Glauben das(!), was anderen, sog. „Normalen*“, mühsam und manchmal ein Leben lang (erfolglos) von den Beichtvätern versucht wird einzuschärfen, die Sünde zu erkennen. 

* Für diese gilt scheinbar gern: Wären eure Sünden auch Scharlachrot.... 

Und dieser Beobachtung wohnt kein Denkfehler inne, denn, wenn Heilige sich als große Sünder empfinden, dann gelten sie als tugendhafte Menschen. Wenn sich ein Kind unter der nichtnennbaren Vorahnung der Andersartigkeit als unzulänglich, unwürdig und unfähig zum Handeln erfährt, dann so der Kehrschluss aus der kirchlichen Lehre - dann wird daraus höchstens ein „guter“ Sünder, der sein Schicksal (die ewige Verdammnis) selber gewählt hat. (Ich treibe es nur ungern bis in die frühe Kindheit zurück – ja warum werden dann Kinder getauft? Mutter Kirche taufe uns nicht, wenn du uns nicht willst!)

 

Im großen Konflikt des sich Annehmens brechen Fragen auf, die niemand beantworten kann, der nicht mit der HS konfrontiert ist.

Alle Ratschläge und Ermahnungen scheitern an der Unzulänglichkeit der Sachkenntnis.

Wie will ein Blinder denn einem Sehenden den Weg weisen?

Oder wird aus einem Vogel etwa ein Fisch, wenn ich nur lang genug auf ihn einrede und ihm das Wasser predige? (Vielleicht wird´s ja eine Ente oder ein Pinguin und wird doch kein Fisch.)

So in etwa ist die Situation des hs Menschen in der Gemeinschaft der Kirche.

Der Hinweis auf die Barmherzigkeit und unerschöpfliche Liebe Gottes hilft wenig darüber hinweg, dass der hs Mensch, zumal der hs Christ, auf eine schon fast unbarmherzig zu nennende Art einen Anteil an der Nachfolge Christi erhält von dem man nicht genau weiß und sagen kann, ob man nicht noch schwerer sündigt, wenn man diese Beschwerung einem Nichtbetroffenen, und sei es nur um des einmaligen Erfahrungswertes willen, auch nur im Ansatz wünschen sollte oder würde.

Da zerplatzt gar bald die Idee, man sei als HSer auf ständigem „Missionskurs“ und nur darauf aus andere von der Richtigkeit der eigenen Veranlagung zu überzeugen.

Sicher, das mag in weiten Kreisen der Szene so scheinen, aber auch da, wo solches auf den Straßen und bei Paraden verkündet wird, plappert man wie der Blinde von der Farbe! Denn wer „es“ nicht in sich trägt lässt sich nicht „bekehren“!

Die übersteigerte Homophobie der Christenheit (spr. Kirche) ist genauso falsch, wie das urliberale Allerweltsgeplapper der CSD-

Initiatoren.

 

 

Was ich oben über die Kindheit geschrieben habe, das findet, wenn auch aus einem anderen Zusammenhang geboren in der bei  Herder erschienenen Kreuzwegbetrachtung von Katharina Oost "Wenn das Dunkel der Nacht den Tag berührt" auf hervorragende Weise ins Wort..

 

>>Wer von uns hätte z.B. nicht jenen unfassbaren Schrecken erfahren oder erführe ihn noch irgendwann, der uns überfällt, wenn wir erkennen:

Dieser Mensch, den ich liebe, wird mich verlassen. Und sollten es auch die äußeren Lebensumstände noch eine Weile lang fügen, dass wir beisammen sind, wir sind doch getrennt. Mein Leben wird von nun an einsam gehen.

Es ist der Ab­schied eingebrochen in mein Leben. Und al­les, was in ihm verknüpft war mit dem an­deren, will zurückgeholt, will abgeschnitten sein.

Da stirbt etwas in mir.

Da ist der Tod inmitten meines Lebens und führt, was mein war, was mein eigen war, nun mit sich fort.

Da wollen wir nicht hören, dass nie­mand unser eigen ist.

Da trösten keine an­deren, weil wir den einen Menschen lassen müssen, der unser ein und alles war.

Da will gestorben sein. Ja könnten wir doch ster­ben.

Da ist zum Tod verurteilt, was unser Leben war.

Und wir spüren die unerbittli­che Härte des Urteils wie ein Schwert über uns. Es fällt. Es fällt nicht einmal nur. Es fällt noch lange Zeit, und immer wieder neu durchfährt uns dieser unsagbare Schmerz. Und die Erschütterung, die wir in ihm erfahren, dringt tief in unsre Seele und zeich­net uns die Spuren ins Gesicht. Und wir tra­gen fortan das Schiboleth, wir sind gezeich­net nun von diesem Schmerz, der keinem anderen gleicht.

Und das Leben, das uns weiterträgt, ist wie ein Grab, so dunkel und so kalt.

Aber haben wir denn eine andere Mög­lichkeit, als unser Weh mit unserem Leben zu umarmen, wenn es uns nicht zerstören soll?
Gibt es einen anderen Weg, als es zu lieben, ja auch dies, so zynisch es auch klingen mag, es zu lieben, eben weil auch dies Weh Bestandteil unseres einen, einzigen, geliebten und er­littenen Lebens ist?

Wenn Menschen von ihren Ängsten und Schmerzen überflutet, den Schritt in die Mitteilung finden, verliert das Dunkel die al­leinige Macht über sie. Und so öffnen wir schon einen Spalt weit die Tür, die aus der Finsternis herausführt, wenn wir unsere Not dem Unsagbaren, Unbeschreiblichen ent­reißen, indem wir sagen: Ja, so ist es!<<

 

 

 

Fortsetzung bzw. Ergänzung folgt!

 

     

Der Glaube befähigt uns, im Finstern weiterzugehen.

Roger Schutz

 



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